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Drei Gedanken zur Sicherheit in der Zirkusstunde

Letztens hatte ich Zeit über meine Arbeit als Zirkuspädagoge nachzudenken. Als erstes kam mir der Aspekt der Sicherheit in den Kopf. In meinen Zirkusstunden will ich, dass die Teilnehmenden ihre Komfortzone verlassen und neues ausprobieren bzw. über ihre Grenzen wachsen. Dabei ist es wichtig, das dies in einem sicheren Rahmen passiert.

Ich habe hier drei Punkte herausgegriffen, die explizit an die Person gerichtet sind. Es ist natürlich auch wichtig, dass der Raum keine Fallen hat oder die Requisiten sicher zum verwenden sind.

Wo bin ich im Raum?

Als Zirkustrainer*in bin ich verantwortlich für die Gesundheit der Kinder. Daher ist es wichtig, dass ich einen guten Überblick darüber habe, wer wo was gerade macht. Besonders im multidisziplinären oder offenen Training sowie bei einem Parcour sollte ich mich als Trainer*in strategisch sinnvoll positionieren. Bestenfalls habe ich den Rücken zur Wand und blicke in den Raum.

Meine Position ist abhängig davon, ob ich gerade Hilfestellung geben muss oder nicht.

Was heißt Hilfestellung?

Hilfestellung heißt für mich, dass ich der lernenden Person helfe, sich sicherer zu fühlen und, ihre Komfortzone zu verlassen. Dabei ist es wichtig, dass ich vorher ankündige, wo ich im Notfall festhalten werde, z. B.: „Ich halte dich im Notfall an der Hüfte fest.“

Ich sehe Hilfestellung so, dass Bewegung ermöglicht wird – Hilfestellung ist also keine Krücke, sondern ein Gerüst.

Mit steigendem Können kann das Gerüst dann immer mehr abgebaut werden. So verändert sich auch meine Position im Raum und ich kann von größerer Ferne, eventuell nur noch verbal, Hilfestellung geben.

Nein, mach das nicht!

Die Sprache ist dabei sehr wichtig. Gebe ich nur noch verbal Hilfestellung, ist es besonders ausschlaggebend, dass ich eine aktive Sprache verwende. Es geht eben nicht darum zu sagen, was alles nicht gemacht werden soll, sondern darum, was, wie und wo eben schon gemacht werden soll: „Setzt euch bitte schnell in den Kreis“.

Vor allem in der Luftakrobatik ist es außerdem wichtig, sich von einer personenzentrierten Orientierung (links, rechts, oben, unten) zu verabschieden und sich auf eine räumliche Orientierung (Decke, Boden, Wand, Uhr. o.ä.) zu beziehen.

Metaphern können ebenso helfen die Bewegung auszuführen: „Sei so steif, wie ein Brett“.

Für mich ist es wichtig, das Wissen, das wir sammeln, zu teilen und weiterzugeben. Über die eigene Arbeit und Routinen nachzudenken und sie zu verbalisieren hilft auch, neue Ideen zu bekommen und zu lernen. Was habt ihr noch so für Tipps für andere Zirkuspädagog*innen?

Über Florian Bögner

Florian Bögner
Florian Bögner ist Absolvent der Circus Akademie bei Cabuwazi in Berlin. Er studierte Theater, Film- und Medienwissenschaften und Kognitionswissenschaften in Wien. Als Zirkuspädagoge freut er sich, seine Begeisterung für den Zirkus weiterzugeben. Hier reflektiert er über die Arbeit und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Zirkus. Für Bildermenschen – folgt ihm auf Instagram. Zur Homepage von Florian Bögner

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